Interview mit Dr. Frank Bonin
Leiter der Abteilung Intensivmedizin und Respiratorentwöhnung
Wo liegen die Schwerpunkte der Arbeit in Ihrer Abteilung?
Dr. Bonin: Wir sind unter anderem spezialisiert auf die Betreuung und Versorgung von Patienten vor und nach Lungentransplantationen. In der Regel wird der Patient hier in der Ruhrlandklinik auf den Eingriff vorbereitet. Die Organübertragung findet dann im Universitäts-Klinikum Essen statt, kurze Zeit nach dem Eingriff kommen die Patienten wieder in unsere Obhut. Wir gewährleisten auf der Intensivstation die erforderliche Nachsorge, auch bei eventuellen Komplikationen, die nach solch schweren Eingriffen auftreten können.
Welche Leistungen sind erforderlich, um frisch operierten Lungenpatienten nicht nur in diesem Fall nachhaltig zu helfen?
Dr. Bonin: In erster Linie geht es bei allen Patienten, die auf unsere Station kommen, darum, dass sie beatmet werden und in einem weiteren Schritt nach Möglichkeit zu einem gewissen Zeitpunkt lernen, wieder selbst zu atmen. Das ist eine weitere wichtige Aufgabe für uns. Dafür setzen wir alle gängigen differenzierten Beatmungsmethoden ein, invasiv und nicht-invasiv. Wir verfügen auf diesem Gebiet über eine langjährige Erfahrung.
Warum sind Patienten darüber hinaus gut bei Ihnen aufgehoben?
Dr. Bonin: Wichtig zu wissen ist, dass unsere Abteilung über alle invasiven Kreislaufmonitorings mit verschiedenen Kathetermethoden verfügt. Dazu gehört auch der Pulmonalarterienkatheter. Die ermittelten Werte geben uns während der Zeit der Intensivbetreuung verlässliche Werte. Außerdem bieten wir Organunterstützungs- und Ersatzmethoden wie Hämofiltration als künstliche Niere an, ebenso die Hämodialyse, die entsprechende „Blutwäsche“. Damit können wir Patienten mit verschiedenen schweren Erkrankungen oder bei plötzlich auftretenden Komplikationen nahtlos versorgen.
Wie lernen Intensivpatienten, wieder ohne technische Hilfe zu atmen?
Dr. Bonin: Es gibt viele Wege zum Ziel. Dazu gehört das Weaning (englisch to wean = abstillen), also die Entwöhnung eines beatmeten Patienten vom Beatmungsgerät. Wir verfügen in der Ruhrlandklinik über speziell ausgestattete Patientenzimmer mit einer so genannten Intermediate Care Ausstattung. Hier genießt der Patient intensive Versorgung durch technische Geräte zur Funktionsüberprüfung wie auch natürlich durch geschultes Personal. Unser Entwöhnungskonzept basiert auf Ganzheitlichkeit. Ärzte, Pflegepersonal und Physiotherapeuten arbeiten dafür Hand in Hand. Später binden wir auch Reha- und Heimbeatmungsstationen mit ein.
Schwere Erkrankungen belasten stets auch die Angehörigen. Was kann ein Krankenhaus für sie tun?
Dr. Bonin: Davon abgesehen, dass unser Sozialdienst für die Betreuung und Beratung auch der Angehörigen zur Verfügung steht, kann bei Bedarf professionelle Hilfe durch unseren Klinik-Psychologen angefordert werden. Zur Abstimmung aller Behandlungsschritte sprechen wir uns selbstverständlich mit den Angehörigen des Patienten ab. Die Klinik setzt das Therapieziel und erarbeitet ein Konzept, in das alle beteiligten Seiten dann eingebunden sind. Niemand soll sich hier allein gelassen fühlen.


