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Interview mit Chefarzt Prof. Costabel

Präsident der World Association of Sarcoidosis and Other Granulomatous Disorders

Wo liegen die Schwerpunkte der Arbeit in Ihrer Abteilung?

Prof. Costabel: Der Großteil unserer Patienten leidet an Sarkoidose. Diese Erkrankung behandeln wir hier sehr erfolgreich. Als größtes Zentrum für Sarkoidose-Patienten sind unsere Erfahrungen und unser Wissensstand sehr gefragt. Einen zweiten Schwerpunkt bilden die Patienten mit idiopathischer Lungenfibrose. Ich erarbeite zudem in den entsprechenden wissenschaftlichen Gesellschaften internationale Leitlinien zur Behandlung der beiden Erkrankungen.

Ein weites Feld sind darüber hinaus die seltenen Lungenerkrankungen. Auch ein unerforschtes?

Prof. Costabel: Man kennt rund 300 unterschiedliche Erkrankungen, von denen viele durch Allergien ausgelöst werden. Vielen Menschen sind sicher Begriffe wie „Wellensittichhalterlunge“, „Taubenzüchterlunge“ oder „Farmerlunge“ bekannt. Es gilt stets herauszufinden, was genau die Erkrankung auslöst. Was sich so harmlos anhört, ist gefährlich, wenn die Ursache nicht erkannt wird. Wir können dann nur für eine Linderung der Beschwerden sorgen.

Können Sie ein Beispiel nennen für die Schwierigkeit der Ursachenerkennung?

Prof. Costabel: Vor einiger Zeit erkrankte ein Bühnenarbeiter in einer deutschen Stadt. Nach einer bestimmten Aufführung bekam er regelmäßig Hustenanfälle und hohes Fieber. Es war fast eine detektivische Aufgabe herauszufinden, dass der Mann allergisch gegen Schimmelpilze war. Die hatten sich in dem Torf gebildet, der für das Theaterstück jeden Abend in einer Plastikplane auf die Bühne geschafft wurde. Diesem Patienten konnte dann eine – sehr seltene – Berufskrankheit bescheinigt werden.

Sie sind ein international renommierter Forscher auf diesem Gebiet. Wer kommt zu Ihnen?

Prof. Costabel: Auf wissenschaftlichem Sektor kann ich sagen, dass Wissenschaftler sogar aus Japan und China zu uns kommen, häufig um bei mir zu promovieren. Wir pflegen einen intensiven internationalen Erfahrungsaustausch. Der Großteil unserer Patienten stammt natürlich aus dem heimischen Raum. Es melden sich allerdings immer wieder Kollegen aus dem ganzen Land oder aus dem Ausland, denen Untersuchungsbefunde bei ihren Patienten unlösbare Rätsel aufgeben. Da versuchen wir dann zu helfen.

Die idiopathische Lungenfibrose wird in Ihrer Abteilung ebenfalls behandelt und erforscht?

Prof. Costabel: Die Ursachen für die chronisch fortschreitende Erkrankung der Lunge durch die Vermehrung von Bindegewebsfasern sind noch nicht bekannt. Wir haben die höchsten Rekrutierungszahlen bei den Therapiestudien. Zurzeit testen wir Substanzen, die die Bindegewebszellen blockieren, die sich in den Lungenbläschen unkontrolliert vermehren.

 

Prof. Dr. med. Ulrich Costabel gehört zum Lehrkörper der Universität Duisburg-Essen im Fach Innere Medizin. Der Experte auf dem Feld der seltenen Lungenerkrankungen ist eng mit zahlreichen internationalen Forschungsgesellschaften vernetzt und weltweit geschätzt. Studierende sogar aus China promovieren sich bei dem Essener Mediziner. Im Bereich der klinischen Forschung beschäftigen der Chefarzt und sein Team sich hauptsächlich mit der Krankheitsentstehung und den Therapiemöglichkeiten interstitieller Lungenerkrankungen. Die Abteilung beteiligt sich an großen multinationalen Therapiestudien zur Prüfung antifibrotischer neuer Medikamente bei idiopathischer Lungenfibrose und bei Sarkoidose.

 

 

Uniklinik Essen